Wie bereits im letzten Eintrag angedeutet werde ich mit einem Auto (Dodge Charger 2009) von Montréal nach Vancouver fahren. Ich möchte in diesem Beitrag die ersten Tage dieser Reise vorstellen:
1. Etappe: 1’698 Km (Montréal – Sudburry – Thunder Bay)
Am Donnerstag Abend hatte ich endlich alles organisiert. Das Auto sollte mir am Freitag morgen um 07:00 übergeben werden. Trotz langer Recherche im Internet, traute ich der ganzen Sache noch immer nicht so richtig. Es schien einfach zu perfekt. Nachdem ich mich von meinen Freunden verabschiedet hatte, bestieg ich also im 21:00 Uhr den Greyhound-Bus in Richtung Ottawa/Sudburry. Ich nahm mir fest vor auch etwas zu schlafen. Schliesslich hatte ich ja am nächsten ein Monsterprogramm geplant. Leider schlief ich nur ca. 3 Stunden in dieser Nacht. Ich hoffte die ganze Nacht, dass das Auto auch wirklich auf mich wartet.
Tatsächlich stand das Auto wie beschrieben auf dem Parkplatz in Sudburry. Auch der Besitzer war anwesend und nach kurzem Besprechen ging es auch schon los. Ich nahm mir vor in den ersten Tagen ein wenig Zeit herauszuholen damit ich mir am Schluss noch in Ruhe die Rocky Mountains ansehen konnte. Die ersten 400 km der Etappe verliefen perfekt.
Bis zum exakt 403. Kilometer (Uhrzeit 11:11 Uhr – meine Hasszeit).
Ich bin nun schon ein paar Tausend Kilometer in Nordamerika gefahren und leider wurde ich bis jetzt auf jeder Reise mindestens einmal von einem Polizisten angehalten. Leider auch diesmal. Leider hatte ich ein Baustellen-Schild übersehen und bin ein wenig zu schnell gefahren. Der nette Officer überreichte mir mit einem Lächeln mein „Speeding-Ticket“ 😦
Danach ging es aber zügig weiter. Trotz des Schlafmangels wurde ich nicht müde und erreichte nach ca. 13 Stunden mein Ziel. Die erste Etappe führte mich durch endlose Wälder, an ca. 1000 Seen vorbei und schliesslich nach Thunder Bay. Es ist schon unglaublich, wie gross das Land ist. Ich bin ca. 24 Stunden unterwegs gewesen und bin noch nicht mal durch die ganze Provinz Ontario gekommen 🙂
2. Etappe: 1’284 Km (Thunder Bay – Regina)
Die 2. Etappe war eigentlich nur bis nach Winnipeg geplant. Es lief aber alles so gut und da man in Manitoba und Saskatchewan 110 fahren durfte war ich auch noch ein wenig schneller als am Tag zuvor. Zuerst durchfuhr ich noch den Rest von Ontario um danach weiter durch Manitoba in Richtung Winnipeg zu fahren. Dort angekommen fühlte ich mich noch nicht müde und so entschied ich bis nach Regina weiterzufahren. Ohne es zu merken habe ich sogar 2 Zeitzonen passiert. Irgendwie fühtle ich mich, als ob ich einen Jetlag hatte!
Somit habe ich also in knapp 2 Tagen 2300 Km gefahren und kann ab Calgary die Rocky Mountains geniessen.
3. Etappe: 881 Km (Regina – Calgary – Banff)
Die dritte Etappe startete ich morgens um 06:30 in Regina. Zum ersten Mal fühlte ich, dass der Winter auch in Kanada langsam aber sicher vor der Türe steht. Am morgen hatte ich das erste Mal Frost an meinen Autoscheiben. Die Strecke von Regina bis nach Calgary glich den letzten 500 km des Vortages. Geradeaus, Pampa, Prärie, Kühe und vor allem totale Einsamkeit. Ich habe mir mehrere Male vorgestellt, wie lange es bei einem Unfall wohl dauern würde, bis Hilfe da ist. Zum Glück musste ich es nicht herausfinden. Spätestens als Calgary in Sicht kam und vor allem dahinter die imposanten Ausläufer der Rocky Mountains begann mein Herz schneller zu schlagen. Nach knapp 2 Monaten hatte ich endlich wieder einmal „richtige“ Berge im Visier.
Zuerst plante ich eigentlich eine Nacht in Calgary zu bleiben um erst am nächsten Morgen weiter nach Banff zu fahren. Aufgrund von Thanksgiving war die Stadt jedoch wie ausgestorben und sogar meine bevorzugte Hostelkette hatte geschlossen. Es dauerte nicht lange bis ich mich schliesslich entschied, schon am gleichen Abend in den Banff Nationalpark zu fahren.
An den Strassen sah ich unzählige Schilder von Ortschaften, die ich bereits von diversen Sportübertragungen im TV kannte: Nakiska, Lake Louise usw.
Seit ich vor ein paar Jahren diverse Bücher von Jack London, Nicolas Vanier usw. verschlungen habe, zieht mich diese Wildnis magisch an. Ich habe nun knapp eine Woche Zeit die Rocky Mountains zu erkunden. Mein Ziel am Anfang dieser Reise war es zumindest einen Walfisch und einen Bären zu sehen, leider habe ich bis jetzt erst 50% erreicht.
Die grösste Distanz meiner Reise durch Kanada habe ich in knapp 3 Tagen bereits hinter mich gebracht. Es war zum Teil sehr streng und nach ca. 12 Stunden am Stück im Auto war ich nahe am durchdrehen. Selbstgespräche, sentimentales Schweigen, überschwängliches Mitsingen zur Musik und wieder Selbstgespräche waren die häufigsten Symptome des Wahnsinns, welche nach ca. 10 Stunden am Stück auftreten 🙂
Auf diesem Weg möchte ich mich auch noch ganz herzlich bei bei David Smaller von Canada DriveAway bedanken. Erst durch diese Firma war und ist dieser Trip überhaupt möglich.
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